Der unheimliche Postbote

Radio Salü sucht heute Geschichten zum Thema „Post“ und „Postboten“. Da ist mir mein ehemaliger Briefausträger wieder eingefallen. Ist schon eine Weile her. Damals bin ich noch mit dem Bus zur Arbeit gefahren und hatte einige Bücher über Tauschticket angefordert. Ich stand da morgens (im Sommer, es war hell) nichtsahnend an der Bushhaltestelle, die sich etwa 50m unterhalb des Hauses in einer langen Straße mit vielen großen Mietshäusern befindet. Postauto fährt vorbei, bremst, hält gegenüber auf der Fahrbahn (!), Briefträger (U50) kurbelt Fenster runter und ruft rüber: „Hallo Frau Hampel, ich hab Post für Sie, ich bring Sie Ihnen gerade an die Haltestelle“. Wenn einem so etwas auf dem Land passiert, wo man jahrelang den gleichen Austräger hat, ist das völlig normal, aber in einer doch etwas größeren Stadt mit zig Postempfängern…und ich konnte mich nicht einmal erinnern, ihm schon jemals die Tür geöffnet zu haben, die meisten Bücher passten in den Briefkasten! Ich fand das etwas gruselig.
Seit dem Tag hielt er dann immer, wenn er mich da stehen gesehen hat, um mir meine Post zu geben, oder er ging die andere Straßenseite entlang und rannte dann zu mir hinüber, um mir mit einem strahlenden „guten Morgen“ die Briefe zu überreichen – sehr zur Erheiterung meiner Mitwartenden.
Das Ganze nahm irgendwann ein Ende, vermutlich wurde er versetzt. Oder eingekerkert. Aber er hat einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen 😉

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