West Side Story ODER Zwischen den Zeilen

Seit dem 1. Oktober läuft im Saarländischen Staatstheater das Musical „West Side Story“, insziniert und choreographiert von Stijn Celis.

Der Artikel in der Saarbrücker Zeitung von Oliver Schwambach klang vielversprechend:

Eigentlich kann man bei einem Evergreen wie der „West Side Story“ nicht allzu viel falsch machen. Staatstheater-Choreograph Stijn Celis aber macht mit einer großartigen Besetzung sogar fast alles goldrichtig.

So erwartete ich also gestern mit Spannung die Vorstellung in der ersten Reihe des zweiten Ranges, akustisch ein toller Platz, allerdings sehr stickig bei vollem Haus, solang die Klimaanlage noch nicht richtig greift und man fühlt sich aus dieser Vogelperspektive nicht als „Teil des Geschehens“.

Vielleicht lag es daran, dass ich die Begeisterung für das Stück nicht uneingeschränkt teilen kann. Wie so viele andere kenne ich natürlich die Verfilmung des Musicals, das hier – ungewollt – als Vergleich herhielt.
Es fiel mir anfangs sehr schwer, die Jets und die Sharks optisch auseinanderzuhalten, zu sehr ähnelten sich Kleidung und Auftreten beider Gruppen, da half auch leider Bernsteins Musik nicht viel, wenn dort sehr viele Menschen auf der Bühne drucheinanderwuselten.
Ein bisschen tat ich mich auch mit dem Alter der Schauspieler schwer, die mich nicht davon überzeugen konnten, als Jugendliche noch im elterlichen Haus zu leben und deren Liebesgeschichte für mich wenig emotional rüberkam.

Das zu meiner Kritik 🙂 Ansonsten hat mir das Stück allerdings sehr gut gefallen.
Tänzerisch und gesanglich kann es durchaus mit größeren Häusern mithalten, auch wenn in diesem Fall einige Schauspieler von extern „dazugekauft“ waren. Mit knapp 40 Beteiligten war es auch eine der größeren Shows im Saarländischen Staatstheater und schon allein deswegen recht beeindruckend.

Wirklich gelungen fand ich jedoch das Bühnenbild! Mit minimalen Hilfsmitteln und Videoeinspielungen wurde der Bogen zur aktuellen Flüchtlinsproblematik geschlagen, ohne diese trotz vieler inhaltlicher Ähnlichkeiten mit der Geschichte konkret zu thematisieren. Unwahrscheinlich – und fast schon unheimlich – eindrucksvoll ist die Interpretation des Songs „Somewhere“, bei der die Sänger und Tänzer vor einer Meereskulisse mit gekenterten Booten ihrer Hoffnung auf eine bessere Zunkunft Ausdruck verleihen. Da stockte sogar mir für einen Moment der Atem!

Auch wenn ich nicht hunderprozentig überzeugt bin, ist es doch eine gelungene Inszenierung, die man sich anschauen sollte.

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