Star Trek Discovery – erster Eindruck

An den wenigsten dürfte vorbeigegangen sein, dass seit heute auf Netflix eine „Prequel“ zur legendären Serie „Star Trek“ („Raumschiff Enterprise“) läuft.

Jeden Montag wird eine neue Folge ausgestrahlt, als Pilot gibt es die beiden ersten Folgen der neuen Staffel.

Ich bin kein „die-hard Trekki“, habe aber die Serie gern geschaut. Ich mochte das Spiel mit „What-If“-Szenarien, mochte das Aufeinanderstoßen verschiedener Moralvorstellungen und Kulturen.
Weniger interessiert war ich an den technischen Details und der realistischen Umsetzung im schwerelosen Raum.
Ich mochte die schrägen Charaktere, ihren Mut, ihren Einsatz für eine höhere Sache.

Habe ich all das in den ersten beiden neuen Folgen wiedergefunden? Jein.

Ich beginne mit den Dingen, die ich weniger gelungen fand:

  • Die Klingonen: so aufwendig auch die Kostüme sein mögen, die Gesichter sind nicht nur maskenhaft, man erkennt in Nahaufnahmen sogar die Maske. Die Augen wirken unnatürlich zurückgesetzt, die Mimik ist bis auf Augen und Mund versteinert.
  • Zeitsprünge: sie sind zwar nicht sehr groß, lassen aber wesentliche Teile der Story aus. Es bleiben Fragen nach dem „Wie“ offen.
  • Der Anfang: die Wüstenszene hätte man sich meiner Meinung nach als Intro komplett schenken können. Sie brachte nur wenig Erkenntnisse für den Rest der Geschichte.
  • Farblose Nebendarsteller: warum man einige flache Figuren für die Brücke gewählt hat, wird zwar spätestens in der zweiten Folge klar, hinterlässt aber zunächst einen etwas faden Beigeschmack

Das zu den negativen Eindrücken.

Aber: die positiven Aspekte überwiegen für mich persönlich bei weitem:

  • mehr Emotionen: sei es nun der weiblichen Besetzung der Crewführung zu verdanken oder nicht, die Mannschaft zeigt deutlich mehr Gefühle als ihre Vorgänger bzw. Nachfolger der Enterprise.
  • moderne Umsetzung: sicher erkennt man hier und da noch die Studiokulisse, aber special effects, die großzügig eingesetzt werden, vermitteln die „unendliche Weiten“ und die Fremdartigkeit der Umgebung, in die man versetzt wird.

Mein absolutes Highlight:

  • mehr Tiefgang: die Handlung wird von Anfang an an das Schicksal und die persönlichen Erfahrungen der Charaktere geknüpft. Die Grenze zwischen Gut und Böse ist sehr viel weniger klar definiert als in „Raumschiff Enterprise“. Es wird erklärt, warum die Figur handelt, wie sie handelt (auch wenn das nicht unbedingt ein kluger Schachzug war), welche Motive sie hat und was sie antreibt.

Endlich kümmert sich jemand um das „Storytelling“! Es geht nicht mehr nur darum, eine Zukunft zu zeichnen, in der die überlegene Rasse der Menschen mit Aliens umgeht und sie „sozialisieren“ oder retten muss. Endlich, endlich bekommen wir etwas zu den „Fremden“ erklärt, das sehr viel tiefer reicht als nur „so sehen sie aus und so verhalten sie sich“.
Die Geschichte selbst ist „runder“, ausgewogener, interessanter geworden!

Was Kostüme und Design angeht, so sind das Einzelheiten, auf die ich wenig geachtet habe. Ich war völlig im Bann der Story und habe beiden Folgen hintereinander geschaut, was für mich, die ich nur äußerst selten Filme oder Serien schaue, sehr ungewöhnlich ist.

Ich denke, dass echte Trekkifans viel vermissen werden in „Star Trek Discovery“, es hat auch vielleicht außer der Rahmenhandlung bzw. dem Setting nicht mehr viel gemein damit. Wenn man es aber losgelöst davon betrachtet, ist es bisher eine gelungene neue SciFi-Serie. Bleibt allerdings abzuwarten, wie stark der „Cut“ in Folge 3 sein wird…

 

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